Ausgabe 3.2014
Hochschulen gut beraten?!

Im Zuge der Professionalisierung von Beratung sind Hochschulen für die Beratungsszene vor allem hinsichtlich zweier Aspekte interessant: Forschung und Ausbildung. An Hochschulen unterschiedlichsten Typs wird zu für die Beratungspraxis relevanten Fragenstellungen geforscht und damit Wissen generiert, zu dem sich Beraterinnen und Berater in zunehmenden Maße in welcher Form auch immer verhalten müssen. Zugleich haben viele von uns an der Hochschule ihre Sozialisation in einer Primärdisziplin oder gar der Beratungswissenschaft erfahren. Nicht verwunderlich ist vor diesem Hintergrund, dass wir als Beraterinnen und Berater zur Hochschule ein mehr oder weniger affektiv besetztes Verhältnis haben. Darum soll es in diesem Heft aber nicht gehen. Vielmehr wird der Handlungsraum Hochschule als (potenzielles) Tätigkeitsfeld für Beraterinnen und Berater vorgestellt. Die Beiträge des vorliegenden Heftes orientieren sich dazu an folgenden Leitfragen:

  • Sind Hochschulen ein potenzieller Markt für Beraterinnen und Berater, dessen Erschließung lohnt?
  • Wie könnte der Markt erschlossen werden?
  • Was unterscheidet Hochschulen von anderen Beratungs­feldern?
  • Was wären potenzielle, was sind aktuelle Beratungsanlässe und wer wird an Hochschulen gegenwärtig vor allem beraten?

 

Editorial


3.2014 Hochschulen gut beraten?!
Liebe Leserin, lieber Leser!

Im Zuge der Professionalisierung von Beratung sind Hochschulen für die Beratungsszene vor allem hinsichtlich zweier Aspekte interessant: Forschung und Ausbildung. An Hochschulen unterschiedlichsten Typs wird zu für die Beratungspraxis relevanten Fragenstellungen geforscht und damit Wissen generiert, zu dem sich Beraterinnen und Berater in zunehmenden Maße in welcher Form auch immer verhalten müssen. Zugleich haben viele von uns an der Hochschule ihre Sozialisation in einer Primärdisziplin oder gar der Beratungswissenschaft erfahren. Nicht verwunderlich ist vor diesem Hintergrund, dass wir als Beraterinnen und Berater zur Hochschule ein mehr oder weniger affektiv besetztes Verhältnis haben. Darum soll es in diesem Heft aber nicht gehen. Vielmehr wird der Handlungsraum Hochschule als (potenzielles) Tätigkeitsfeld für Beraterinnen und Berater vorgestellt. Die Beiträge des vorliegenden Heftes orientieren sich dazu an folgenden Leitfragen:

  • Sind Hochschulen ein potenzieller Markt für Beraterinnen und Berater, dessen Erschließung lohnt?
  • Wie könnte der Markt erschlossen werden?
  • Was unterscheidet Hochschulen von anderen Beratungs­feldern?
  • Was wären potenzielle, was sind aktuelle Beratungsanlässe und wer wird an Hochschulen gegenwärtig vor allem beraten?

Über diese spezifischen Fragen hinaus diskutieren die Autoren direkt oder indirekt Problemstellungen, die die Beratungszunft nicht nur im besonderen Handlungsfeld Hochschule umtreiben, sondern auch im Allgemeinen beschäftigen: so etwa die Frage der Feldkompetenz, die Frage der Differenz von Supervision und Coaching oder die Frage, was professionelle Beratung auszeichnet. In diesem Sinne könnte dieses Heft auch heißen: Hochschule – besonderes oder allgemeines Handlungsfeld für Berater?

Tilman Allert (S. 6) arbeitet institutionelle und organisationale Besonderheiten des Handlungsraums Universität heraus und stellt fest, dass Streit für diesen konstitutiv ist. Gleichzeitig skizziert er allgemeine Bewegungen der modernen Arbeitswelt und überlegt, wie professionelle Beratung darauf reagiert und reagieren kann. Abschließend konzeptionalisiert er Beratung und Supervision als Professionalisierung des „blinden Sehens“. Heike Kahlert (S. 12) fokussiert auf den wissenschaftlichen Nachwuchs als Zielgruppe berufsbezogener Beratung. Einer Syste­matik von Kornelia Rappe-Giesecke folgend, unterscheidet sie dazu die Beratungsformen Supervision, Coaching und Karriereberatung und stellt mögliche Beratungssettings vor. Abschließend stellt sie fest, dass sich Hochschule und Forschung ihrer Erfahrung nach nur zögerlich für die berufsbezogene Beratung öffnen. Iris Koall und Sabine Wengelski-Strock (S. 18) zeigen und systematisieren vor dem Hintergrund langjähriger Beratungserfahrungen an nordrhein-westfälischen Hochschulen, wie Gruppensupervision im Rahmen von Qualifikationsprozessen in der Wissenschaft eine reflexive Kompetenzentwicklung – mit dem Ziel einer Emanzipation und Positionierung in einer Scientific Community – ermöglichen. Andreas Nolten (S. 27) verdeutlicht, wie die Entwicklung des Curriculums eines neuen Studiengangs durch einen Berater begleitet werden kann. Er fasst sechs Interviews zusammen, in denen einige der beteiligten Akteure rückblickend den Prozess der begleiteten Curriculumentwicklung betrachten, und schließt mit einem streitbaren Kommentar zum Prozessverlauf. In einem Interview erläutert Monika Klinkhammer (S. 36)  lebhaft, was sie an Beratung im Hochschulbereich fasziniert, warum Hochschulen für Berater interessant sein sollten, welche neuen Entwicklungen zu beobachten sind, welche Honorare gezahlt werden und wie man Zugang zum Feld findet. Einen wesentlichen Aspekt im Kontext Hochschule aufgreifend, setzt sich Gerhard Wittenberger (S. 41) im freien Beitrag mit psychoanalytischen Überlegungen zum Lernen auseinander. In den Markierungen debattieren die verantwortlichen Redakteure für dieses Heft schließlich über die Frage der Feldkompetenz am Beispiel des Hochschulbereichs.

Mit der Lektüre des Heftes zu Ende gekommen, wird sich die Aussage und Frage „Hochschulen gut beraten?!“ sicherlich nicht in eine Richtung aufgelöst haben. Wir hoffen vielmehr, Ihnen einen Einblick in den Diskurs um Beratung im Hochschulfeld zu bieten, der es Ihnen ganz im Sinne eines guten Reise­führers ermöglicht, sich einstweilen zurechtzufinden, sollten Sie morgen ein Erstgespräch an einer Hochschule führen. Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Debatte um angemessene Beratung an Hochschulen zu beteiligen. Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Ronny Jahn, Monika Klinkhammer, Andreas Nolten und Mirjam Weigand

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Monika Klinkhammer
Statistiken zum Beratungsmarkt Hochschule

Tilman Allert
Der Handlungsraum Universität und die Praxis der Beratung    

Heike Kahlert
Beratung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Hochschule und Forschung: Bedingungen, Themen und Formate

Iris Koall/Sabine Wengelski-Strock
„Und dann schrieb die Arbeit sich wie von selbst“
Die wissenschaftliche Qualifikation als professioneller Reflexionsprozess durch Gruppensupervision

Andreas Nolten
Begleitete Curriculumentwicklung
Eindrücke und Erfahrungen der Beteiligten

Interview mit Monika Klinkhammer
Motivierte Klienten in einem großen Markt

Freier Beitrag
Gerhard Wittenberger
Psychoanalytisches zum Thema Lernen

Markierungen
Ronny Jahn, Monika Klinkhammer, Andreas Nolten und Mirjam Weigand
E-Mail-Diskussion zur Frage der Feldkompetenz

Erlebte Literatur
Andreas Nolten
Philipp Schönthaler
Das Schiff, das singend zieht auf seiner Bahn

Impressum

Rezension
Mathias Lohmer, Heidi Möller
Psychoanalyse in ­Organisationen. Einführung in die psychodynamische Organisationsberatung.

Nachruf
Jörg Fellermann

supervision 3.2014
Hochschulen gut beraten?!

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