Ausgabe 1.2013
Politikberatung in der Kommune

Aus dem Editorial: „In den letzten Jahren hat sich im Bereich der Politikberatung nicht nur eine erfolgreich arbeitende Beratungsszene herausgebildet – auch Ausbildungen und Literatur sind differenzierter und umfangreicher geworden. Wir hegen natürlich die Hoffnung, auf dem Gebiet der Politik lasse sich ein interessantes Betätigungsfeld für Beratung erschließen und etablieren. In diesem ersten Aufriss zur Politikberatung legen wir einen Schwerpunkt auf Kommunalpolitik – in der Einschätzung, dass sie und die politischen Akteure uns näher und vertrauter sind als die höheren Politikebenen. Aber weitere Fokussierungen können ja durchaus folgen.“

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Mit diesem Heft werfen wir einen Blick auf ein Beratungsfeld, das in supervisorischen Kontexten bislang nur wenig gestreift wurde. Vielleicht erschien der politische Kosmos als zu verworren, um als Supervisor/-in oder Coach sinnvoll eingreifen zu können, vielleicht waren auch die spezifischen Voraussetzungen, die Beratung hier mitbringen muss, noch zu unklar. In den letzten Jahren hat sich in diesem Bereich jedoch nicht nur eine erfolgreich arbeitende Beratungsszene herausgebildet – auch Ausbildungen und Literatur sind differenzierter und umfangreicher geworden. Nicht zuletzt hegen wir natürlich die Hoffnung, auf dem Gebiet der Politik lasse sich ein interessantes Betätigungsfeld für Beratung erschließen und etablieren. In diesem ersten Aufriss zur Politikberatung legen wir einen Schwerpunkt auf Kommunalpolitik – in der Einschätzung, dass sie und die politischen Akteure uns näher und vertrauter sind als die höheren Politikebenen. Aber weitere Fokussierungen können ja durchaus folgen.

Volker Schäfer (S. 4) lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das komplexer werdende Arbeitsfeld von Kommunalpolitiker/-innen. Wer sind beispielsweise diese Bürgermeister/-innen, die wir oft selbst gewählt haben? Was bestimmt ihren Arbeitsalltag? Wie koordinieren sie die oft divergierenden Ansprüche, die an sie gestellt werden? Unterscheidet sich ihr Selbstbild von dem ihrer Wähler/-innen? Wie können Coachs sich auf die Sphäre der Politik einstellen und das noch weitgehend unbestellte Arbeitsfeld ausbauen?

Noch plastischer wird dieser Einblick im Interview mit Anne Janz (S. 24),Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit in Kassel. Sie schildert ihre professionellen Voraussetzungen
für dieses Amt und die vielschichtige Gemengelage in Magistrat, Verwaltung und mit den unterschiedlichen öffentlichen Playern. Instruktiv sind die Motive, die sie bewegen, sich den
umfangreichen Anforderungen zu stellen. Daraus entwickelt sie ein präzises und anspruchsvolles Bild von Beratung, die sie in diesem Umfeld wünscht und benötigt.

Martin Bentele (S. 13) hat in einer Recherche zusammengetragen, welche unterschiedlichen Beratungsformate kommunale Politik im regionalen Umfeld Vorarlberg nutzt. Dabei stellt er gelungene Beispiele „supervisorischer Reflexion“ vor, skizziert innovative Formate für Entscheidungsfindungen zwischen staatlichen und nicht staatlichen Beteiligten und formuliert Vorschläge, wie der Kontakt zwischen Supervision und Macht fruchtbar werden kann.

Regina Maria Jankowitsch (S. 19) umreißt das Arbeitsfeld des Coachs als Mutmacher, Sparringspartner und Ratgeber. Zuversichtlich über die wachsende Bedeutung des Coachings in der Politik, entwirft sie auf der Grundlage ihrer eigenen langjährigen Praxis professionelle Interaktionen für konkrete Einsatzbereiche. Für Berater/-innen, die sich auf den Weg machen wollen, zeigt sie die Hürden auf, die es zu überwinden gilt, und ganz praktisch schlägt sie für Coachs Zusatzqualifikationen vor, die im politischen Feld hilfreich sein können.

Elke Esders (S. 32) hat ein Programm aufgelegt, das sich besonders den neuen Herausforderungen zu Beginn einer politischen Funktion stellt – um Anfangsfehler zu vermeiden, die Übernahme der neuen Rolle schneller zu bewältigen und dabei das angestrebte Bild von sich selbst als Politiker/-in nicht aus den Augen zu verlieren.

Edeltrud Freitag-Becker und Barbara Baumann (S. 36) berichten in einem diskreten Werkstattgespräch über ihre langjährige Beratungsarbeit mit Politikerinnen. Der spezifisch weibliche Umgang mit Macht, mit männlichen Kollegen und den von ihnen geprägten Strukturen, Formen von Ausgrenzung und das Aufbauen eigener Stärken und Netzwerke – die Einblicke sind vielschichtig. Sie lassen erkennen, dass das politische System noch immer keine hinreichende Willkommenskultur für weibliche Akteure bereithält, Coaching aber dazu beitragen kann, eine aussichtsreiche Strategie zur Behauptung der eigenen Aktionsfelder zu entwickeln.

Mirjam Weigand (S. 44) eröffnet uns einen Blick in das Innenleben einer Volkspartei, deren Praxis einer möglichst effizienten Steuerung sich den immer lauter vernehmbaren Forderungen nach stärkerer Partizipation gegenübersieht. Müssen sich Parteien zwischen Wahlerfolgen und partizipativer Öffnung entscheiden? Und welche Form von Beratung könnte ihnen aus der Zwickmühle helfen?

Sie sehen, die Blickachsen ins politische Feld sind vielfältig aufgefächert – mindestens genauso bunt sind die potenziellen Formen von Coaching, Supervision und Beratung.

Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und sind neugierig auf Ihr Feedback.


Volker Schäfer und Erhard Tietel

Inhaltsverzeichnis


Das Inhaltsverzeichnis 1.2013 „Politikberatung in der Kommune“

 

Volker Schäfer
Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne
Überlegungen zu einer Brücke zwischen Beratung und Kommunalpolitiker/-innen

Martin Bentele
Supervisorische Reflexion in der kommunalen und regionalen Politikberatung
Eine Erkundung in Vorarlberg/Österreich

Regina Maria Jankowitsch
Coaching – zwischen Mutmacher, Sparringspartner und Ratgeber

Volker Schäfer
„Wie kann ich jeden Tag die Welt ein bisschen retten?“ Interview mit Anne Janz, Kommunalpolitikerin

Elke Esders
Coaching in der Politik

Edeltrud Freitag-Becker, Barbara Baumann
Die Macht macht was – Coaching mit Frauen im politischen Feld Ein Werkstattbericht über die gemeinsame Beratungsarbeit mit Politikerinnen

Mirjam Weigand
Das Ende der Mitgliederpartei?
Parteien im Zwang zwischen Partizipationswünschen und effizienter Steuerung

Literatur zum Thema

 

Freier Beitrag

Brigitte Schigl
Supervision – ein Risiko?

 

Markierungen

Volker Schäfer
Berlin, Hamburg, Stuttgart – Gebaute Ratlosigkeit?

 

Erlebte Literatur

Elke Schallehn-Melchert
Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen

 

Rezensionen

Winfried Münch
Cornelia Edding / Karl Schattenhofer: Einführung in die Teamarbeit

Markus Amann
Helmut Geiselhart: Philosophie und Führung

 

Der Helene Weber-Preis

 

Verantwortliche Redakteure: Erhard Tietel und Volker Schäfer

supervision 1.2013
Politikberatung in der Kommune

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