Ausgabe 4.2012
Selbstständige

Selbstständige und Selbstständigkeit – für Supervisor/-innen ist es ein vielschichtiges Thema. Zum einen kann Supervision Selbstständige begleiten, den Anfang erleichtern und das Ende thematisieren. Zum anderen sind Supervisor/-innen selbst oftmals Selbstständige – mit allen Erfolgen, Hürden und Unwegsamkeiten, die dazu gehören.

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Thema Selbstständige zu skizzieren, lässt einen gleich bei der Frage, was darunter genau zu verstehen ist, stocken. In verschiedenen Beiträgen oder Kästen werden in diesem Heft Definitionen und Entwicklungen vorgestellt, die sich teilweise national unterscheiden. Die Definition der Selbstständigkeit wird beispielsweise in Deutschland aus § 7 Abs. 1 des SGB IV abgeleitet. Hier wird versucht, eine Abgrenzung zwischen selbstständiger Tätigkeit und abhängiger Beschäftigung zu begründen. Die selbstständige Tätigkeit kennzeichnen wesentlich das eigene Unternehmerrisiko und die Verfügungsmöglichkeit über die eigene Arbeitskraft. Wann ist ein Selbstständiger ein Freiberufler? Wann ein Unternehmer? Wann ist man Existenzgründer oder ein Start-up? Wann hat er eine Firma, wann ist er Gewerbetreibender, und wann muss er sich ins Handelsregister eintragen lassen? Darauf gibt es keine einfachen Antworten.

Diese Fragen muss auch eine Supervisorin nicht fundiert beantworten können, dafür sind andere wie das Finanzamt oder die Sozialversicherungsanstalten zuständig. Mögliche Zuständigkeiten der Supervision sind andere Schwerpunkte, wie die Autor/-innen in diesem Heft aufzeigen. Nicht bezweifelt wird: Wer sich selbstständig macht oder machen muss, hat viel um die Ohren. Neben guten Geschäftsideen und hoher Motivation sind Organisationstalent und unternehmerische Fähigkeiten gefordert. Aber längst sind die formalen, rechtlichen, fachlichen und finanziellen Voraussetzungen nicht das Einzige, worauf es ankommt. Dirk Bayas-Linke, Jutta Müller und Elmar Schwedhelm (S. 4) schildern, dass die Wege in die Selbstständigkeit ein komplexes Zusammenspiel sind, die mit Supervision sehr sinnvoll begleitet werden können. Denn wie Heidi Möller (S. 12) in „Das Ende der Selbstständigkeit – Beratung zur Verarbeitung des Scheiterns“ beschreibt, birgt jede Selbstständigkeit auch ein Nichtgelingen. Wie Eberhard Siegl (S. 19) in seinem Beitrag „Supervision für Neue Selbstständige – Annäherungen an ein junges Beratungsfeld“ und Waltraud Fürnwein (S. 27) in „Begrenzung der Entgrenzung als Herausforderung für die Supervision“ zeigen, ist Selbstständigkeit auch mit sehr hohen Engagement, Stress, Unsicherheiten, Belastungen, Konkurrenz u. v. m. verbunden. Nicht selten leiden Sozialkontakte, Familie und die eigene Gesundheit. Aber auch wenn die Selbstständigkeit erfolgreich verlaufen ist, man Personal einstellen konnte, bleibt die Beschäftigung mit den laufenden Veränderungen in der Arbeitswelt und ihren Auswirkungen auf den Betrieb ebenso aktuell wie die Themen Führung, Personalentwicklung, Change etc., die Selbst­ständige fortwährend auf Trab halten. Karin Pfeifer (S. 34) und Andreas Bergknapp (S. 40) schildern ihre dahingehenden Erfahrungen als Supervisor/-in mit ITler/-innen bzw. Architekten und Architektinnen in einer internationalisierten Dienstleistungswirtschaft.

Selbstständigkeit ist auch für Supervisor/-innen ein Thema. Die Beschäftigung damit wird in diesem Heft allerdings nur gestreift: Kathrin Kordon, Michael Burger, Irmgard Schrems und Andrea Sanz (S. 45) geben Einblicke in ihre Praxis.

Selbstständige/Selbstständigkeit ist ein Markt, wo Supervisor/-innen mit ihrem Angebot noch Aufmerksamkeit und Kundschaft gewinnen könnten. Die Autor/-innen dieses Heftes stellen vielfältigste Aspekte dazu vor, und es wird deutlich, dass eine umfangreiche und vertiefende Beschäftigung mit den Entwicklungen rund um das Thema Supervision von und mit selbstständigen Berufsgruppen zukunftsweisend ist. Schon jetzt zeichnen sich größere Einflüsse auf die Konzeption der Supervision ab, beispielsweise, wenn die Rolle der Auftraggeberin und Supervisandin in einer Person zusammenlaufen. Selbstständige bieten also für die Supervision zahlreiche Möglichkeiten, aber sie fordern ihr fachlich und konzeptionell auch einiges ab.

Wir wünschen eine anregende Lektüre!

Brigitte Hausinger und Andrea Sanz

Inhaltsverzeichnis


Das Inhaltsverzeichnis 4.2012 „Selbstständige“


Dirk Bayas-Linke, Jutta Müller, Elmar Schwedhelm

Wege in die Selbstständigkeit –
ein komplexes Zusammenspiel

Heidi Möller
Das Ende der Selbstständigkeit –
Beratung zur Verarbeitung des Scheiterns

Eberhard Siegl
Supervision für Neue Selbstständige –
Annäherungen an ein junges Beratungsfeld

Waltraud Fürnwein
Begrenzung der Entgrenzung als Herausforderung für Supervision

Karin Pfeifer
Supervision mit ITler/-innen in einer internationalisierten Dienstleistungswirtschaft.
Ein Werkstattbericht

Andreas Bergknapp
Wider das Einzelkämpfertum –
Supervisionen für Architektinnen und Architekten Einblicke in die Praxis selbstständiger Supervisor/-innen

Michael Burger
Der Spagat, der nicht wehtut!

Irmgard Schrems im Gespräch mit Andrea Sanz
Eine zweite Leidenschaft neben der Supervisionspraxis – geht das?

Kathrin Kordon
Selbstständige Supervisorin und Mutter – (wie) geht das unter einen Hut?

Zahlen zum Thema


Erlebte Literatur

Katharina Witte
Eile mit Weile, Karlheinz A. Geißler, Lob der Pause

Markierungen
Martin Johnsson
Zwei Selbstgespräche zur Selbstständigkeit

Rezensionen

Winfried Münch
Rudolf Heltzel/Wolfgang Weigand,
Im Dickicht der Organisation

Erhard Tietel
Mathias Lohmer/Bernd Sprenger/Jochen von Wahlert
Gesundes Führen, Life-Balance versus ­Burnout im Unternehmen

supervision 4.2012
Selbstständige

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