Vorschau:
4.0 – Arbeit 4.0, Industrie 4.0, Supervision 4.0

supervision Ausgabe 4-2016: "4.0"

Alles scheint 4.0: Die Industrie 4.0 ist ein wichtiges Ziel der Bundespolitik, auch die Arbeit 4.0 wird in der öffentlichen Debatte immer wieder thematisiert. Doch wie wird die Supervision 4.0 sein und welchen Einfluss werden die 4.0er Trends auf unsere Arbeit haben? Diesen Themen widmet sich die kommende Ausgabe der supervision. Inhalte sind zum Beispiel:

  • Swetlana Franken: Industrie 4.0 – Chancen und Heraus­forderungen ür Arbeit und Führung
  • Andrea Nahles im Gespräch über Arbeit 4.0
  • Vera Abel/Eckhard ­Steffen: Brauchen wir eine ­Supervision 4.0?

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Ronny Jahn/Martin Johnsson
Industrie 4.0 – Was hat das mit uns zu tun?

Swetlana Franken
Industrie 4.0 – Chancen und Heraus­forderungen für Arbeit und Führung

Ulf Ortmann
Sozialverträglichkeit 4.0 – Technologie­folgen­abschätzung im ­Industriebetrieb

Sonja K. Ötting / Günter W. Maier
Faire Gestaltung der digitalen ­Arbeitswelt

Klaus Kremer
Multipler ­Balanceakt – ­Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung

INTERVIEW
Andrea Nahles im Gespräch über Arbeit 4.0

Stefan Kühl
Zeitdiagnosen 4.0

Gabi Schilling / Wolfgang ­Nettelstroth
Perspektive statt Ver­unsicherung. Mitbestimmung 4.0 – der ­Erfolgs­faktor für Arbeit 4.0

Vera Abel / Eckhard ­Steffen
Brauchen wir eine ­Supervision 4.0

Andreas Nolten
Zerstrittene Teams – Herausforderungen der agilen Entwicklungsmethode „Scrum“

Aktuell:
„Utopie“ ist das Thema von supervision 3.2016

supervision 3-2016 "Utopie"

Ein Leben ohne Utopien ist, frei nach Viktor von Bülow (Loriot), möglich aber sinnlos. Oder etwas ernsthafter: „Wenn die utopischen Oasen austrocknen, breitet sich eine Wüste von Banalität und Ratlosigkeit aus“ – das hat Jürgen Habermas bereits in seiner inzwischen klassischen Zeitdiagnose von 1985 konzediert, um sogleich darauf zu verweisen, dass die „utopischen Energien“ ausgegangen seien. Die Redaktion schreibt in ihrem Editorial: „Wir hoffen, dass das Heft Sie inspiriert, selbst mal wieder über den utopischen Gehalt oder konkrete Utopien in ihrer supervisorischen Praxis nachzudenken.“

Editorial

Ein Leben ohne Utopien ist, frei nach Viktor von Bülow (Loriot), möglich aber sinnlos. Oder etwas ernsthafter: „Wenn die utopischen Oasen austrocknen, breitet sich eine Wüste von Banalität und Ratlosigkeit aus“ – das hat Jürgen Habermas bereits in seiner inzwischen klassischen Zeitdiagnose von 1985 konzediert, um sogleich darauf zu verweisen, dass die „utopischen Energien“ ausgegangen seien. Der Befund fällt heute vermutlich nicht anders, vielleicht eher noch drastischer aus – in seiner ganzen Ambivalenz.

Utopien verweisen bekanntlich auf den noch nicht betretenen Ort (Utopia – griechisch: Nicht-Örtlichkeit). Sie stehen in Spannung zum gesellschaftlichen wie persönlichen Alltag, der pragmatischen Unmittelbarkeit des Hier und Jetzt und künden – als positive Utopien – vom besseren und guten Leben. Oder sie sind als negative Utopien (Dystopien) Drohszenarien vom (noch) schlechteren Leben oder gar dessen apokalyptischer Auslöschung.

Die Menschheitsgeschichte liest sich als eine Abfolge von utopischen Entwürfen, religiösen Heilsversprechen und ideologischen Idealkonstruktionen von Mensch und Gesellschaft. Sie haben das irdische Leben und den Alltag der Menschen Jahrhunderte lang in Haftung genommen und in Bann geschlagen. Das 20. Jahrhundert hat die großen Utopien endgültig diskreditiert und verschlissen, weil sie statt verheißenem Glück und versprochener Erlösung Leid, Repression, Abhängigkeit und Vernichtung gebracht haben. Das angebrochene 21. Jahrhundert startete so eher „utopie-verdrossen“ und schien kaum noch in der Lage, mehr als nur eine desillusionierte und ironische Beziehung Utopien gegenüber zu entwickeln. Das scheint sich vor unseren Augen gerade zu ändern.

Gegenwärtig sind wir Zeuge und Beteiligte einer Renaissance dessen, was Ernst Bloch „konkrete Utopien“ genannt hat. Es gibt viele konkrete bürgerschaftliche wie auch alternativ wirtschaftliche Initiativen von Menschen, die das Hier und Jetzt mit den großen Themen der Menschheit gerade im 21. Jahrhundert – Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Partizipation – zu verbinden suchen und hierbei die ökonomischen, ökologischen, politischen und sozialen Dimension des eigenen Tuns im Blick haben. Dabei geht es nicht allein darum, das „Große und Ganze“ zu entwerfen, sondern über „kleine Utopien“ nachzudenken und diese auch zu leben. Hierbei entstehen durchaus konkurrierende und auch sich ausschließende Entwürfe vom besseren Leben, die, wenn sie lebbar sein wollen, nach einer Klammer für alle, im Kern also wieder nach einer gesellschaftlichen Utopie verlangen – soll die Utopie des einen nicht die Dystopie des anderen werden. Wie nah dies beieinander liegen kann, macht uns die aktuelle Flüchtlingskrise tagtäglich deutlich. Hier zeigt sich, dass die Ideen vom guten und besseren Leben nicht nur aufeinanderprallen sondern auch Ein- und Ausschlusspraxen nach sich ziehen: Wer gehört dazu, wer soll dazu gehören? Ein Frage, die ohne einen utopischen Entwurf für alle nicht beantwortbar ist.

Über diese grundlegenden Fragen hinaus haben wir einer Reihe von Autor_innen die Frage gestellt, was das alles mit Supervision zu tun hat und ob es einen utopischen Gehalt oder Bedarf in Supervisionen gibt. Unseres Erachtens gehört(e) ein emanzipatorischer und aufklärerischer Impetus (einst) zur Kernidentität von Supervision, die ohne eine wenigstens latente Idee einer besseren bzw. guten gesellschaftlichen Praxis nicht auskommen kann. Nun zeigt sich dies in Supervisionen niemals direkt, sondern immer vermittelt über Fragen nach einer besseren bzw. professionelleren Ausübung einer Rolle, nach der besseren und guten Arbeit im Team, nach einer besser funktionierenden Organisation, nach effektiveren Dienstleistungen für Klient_innen und Kund_innen, nach einer achtsameren Selbstsorge der Mitarbeiter, nach einer kompetenteren Leitung etc. Aber sind das utopieaffine und -haltige Fragen, weil in ihnen ein ‚Noch-nicht‘ oder ‚Noch-besser‘ enthalten ist? Wohl nicht zwangsläufig, da sie durchaus und geradezu in jene Wüsten von Banalität und Ratlosigkeit führen können, in denen es nur darum geht, sich im Unmittelbaren einzurichten und nur nach dem naheliegend Besseren als dem weniger Schlechten zu suchen. Oder kann, darf und muss es auch um das Aufspüren von verborgenen Springquellen von sinnhaltiger Utopie und utopischem Gegensinn gehen? Kann Supervision so selbst eine „utopische Oase“ gegen das Austrocknen und Verkommen in der Banalität arbeitsweltlicher Praxis sein, weil Supervision ohne „Vision von“ gar nicht möglich ist?

Wir hoffen, dass das Heft Sie inspiriert, selbst mal wieder über den utopischen Gehalt oder konkrete Utopien in ihrer supervisorischen Praxis nachzudenken und wünschen Ihnen eine gute Lektüre.

Inhaltsverzeichnis


Editorial

Stefan Brunnhuber
Die Psychologie der Transformation

Oskar Negt
Aktualität der Utopie

Rolf Schmucker
„Gute Arbeit“ als konkrete Utopie

Rainer Zech
Die Utopie der Beratung: Gutes Gelingen

Christine Morgenroth
Utopieverlust als supervisorisches Dilemma

Jan Lohl
„Ohne Angst mit Autorität umgehen“.
Supervision, Utopie und Politik in Interviews mit älteren Supervisor_innen

Torsten Weber
Paradies plus Schlange – von Utopisten, Realisten und Supervisoren

Beate Mitzscherlich
Utopie Heimat – Realität Heim?
Supervision in sozialpsychiatrischen Arbeitsfeldern als Arbeit am Prinzip Hoffnung
Freier Beitrag

Anja Appel
Beratungsformate und -anlässe in Nichtregierungsorganisationen –
Ansätze für Supervision und Coaching am Beispiel entwicklungspolitischer Organisationen in Österreich

supervision 3.2016
Utopie

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